Das Triduum Sacrum - die heiligen drei Tage

Die Kartage und die Osternacht sind das Zentrum unseres Glaubens. Das wird auch in der Liturgie deutlich, denn wir feiern nicht drei in sich geschlossene Gottesdienste, wie wir sie vom Sonntag kennen, sondern eine Feier, die sich über drei Tage hinstreckt.
Die eine große Liturgie beginnt mit dem Gründonnerstag, dem Tag des letzten Abendmahles, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat. Jesus macht in der Fußwaschung an seinen Jüngern deutlich, was das eucharistische Mahl bedeutet, Anteil zu haben an seiner Liebe. Daraus erwächst ein neues Gebot, „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe.“ Die Gründonnerstagsliturgie endet nicht mit dem Schlusssegen, sondern mit der Einladung, Jesus in der Nacht am Ölberg zu begleiten, vielleicht im Nachsinnen über die Abschiedsworte Jesus an seine Jünger (Joh 14-17). Sie sind auch an uns gerichtet.
Der Gottesdienst geht weiter…
Die Feier vom Leiden und Sterben Jesu am Karfreitag knüpft nahtlos an den Gründonnerstag an. Zentrum der Liturgie ist die Passion und die Verehrung des Kreuzes. Hier wird ein großer Bogen schon zur Osternacht gespannt. So wie das Kreuz dreimal beim Hineintragen in die Kirche geehrt wird, so geschieht es auch mit der Osterkerze. Wir dürfen schon am Karfreitag ahnen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Mit der anschließenden kurzen Mahlfeier endet die Karfreitagsliturgie weiterhin offen.
Der Gottesdienst geht weiter...
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, es gibt keine liturgische Feier. Jesus ruht im Grab. „Er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes“, wie wir es im Glaubensbekenntnis beten. Jesus begibt sich in die Gottferne, um immer wieder den Menschen das Angebot der Liebe Gottes zu machen. Es gibt keinen gottlosen Raum mehr.
Wir leben im Gottesdienst weiter...
Die Feier der Osternacht ist ein großes dialogisches Geschehen zwischen dem Auferstandenen und uns. Jesus kommt uns entgegen im Osterlicht, auf das wir mit dem Halleluja antworten. Wir werden hineingenommen in die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel in den Lesungen des Ersten Testaments und im Auferstehungsevangelium. Unsere Antwort darauf ist die Erneuerung des Taufversprechens und das Besprengen mit geweihtem Wasser zur Erinnerung an unsere Taufe. In der anschließenden Eucharistiefeier vergegenständlicht der auferstandene Christus seine Zusage, „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Sie gilt schon im Hier und Jetzt und über den Tod hinaus. Die große dreitägige Liturgie endet mit dem österlichen Segen und der Entlassung.
Diese gefeierte Zeit ist kein liturgisches Spiel oder volkstümliches Brauchtum. Sie ruft uns zu, dass die Eucharistie die Kraftquelle für unser Leben ist, und dass wir in Leid und Tod nicht allein gelassen sind. Jesus ist an unserer Seite, auch wenn wir es nicht immer spüren. Mit ihm hat der Tod keine Macht mehr über uns.
Das zu verstehen, überfordert unser menschliches Denken, aber vielleicht gelingt es, das Geheimnis im Herzen zu erahnen.
Ein Grund, das Halleluja zu singen.
Dr. Barbara Geis